Schon als Kind saß ich gern dabei, wenn die Älteren von früher erzählten. An erstaunlich viele dieser Geschichten erinnere ich mich bis heute: wie das Leben einmal war, wer mit wem, wo und warum. Was mir fehlte, waren die Ankerpunkte. Zu wem gehörten diese Erzählungen eigentlich? Wer war die junge Frau, die als Rotkreuzschwester im Zweiten Weltkrieg vermisst wurde? Und wer der Onkel, der an der Somme fiel?
Wenn ich an diese Zeit zurückdenke, sitze ich mit meiner Großmutter auf der Couch, zwischen uns ein altes Fotoalbum. Seite um Seite, mit jedem Foto ein neuer Name und ein Zusammenhang, den ich vorher nicht hatte. Ich habe zugehört – interessiert, aber ohne Stift in der Hand.
Dann starb sie, und ich konnte mich nicht mehr neben sie setzen und fragen. Aus der alten Neugier wurde ein Bedürfnis: Ich wollte wissen, wo ich herkomme. Nicht nur gefühlt, sondern greifbar.
Also bin ich den Spuren selbst nachgegangen, erst ungeordnet, dann mit System. Aus einer Handvoll Namen wurden Kirchenbucheinträge, aus den Einträgen Lebensläufe. Und bei jedem neuen Fund diese Goldgräberstimmung, die bis heute nicht nachgelassen hat.
Das ist der Grund, warum es Ahnenhub gibt. Nicht die Ahnenforschung als Hobby, sondern der Moment davor: wenn jemand merkt, dass Erinnerungen nicht von allein bleiben.